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Aktive Blutsauger

Zecken werden zur ganzjährigen Gefahr

Risikogebiete in Salzburg

Zecke, Schild, SB APA/DPA-ZENTRALBILD/FRANK RUMPENHORST
Die Zeckengefahr beschränkt sich nicht auf Frühling und Sommer. (SYMBOLBILD)

Zecken sind in Österreich mittlerweile das ganze Jahr über aktiv. Heuer dürfte ihnen wohl auch der milde Winter entgegenkommen. Wie es mit der Prognose für das heurige Zeckenjahr aussieht, wo in Salzburg die Risikogebiete liegen und welche Mythen über Zecken kursieren: Das erfahrt ihr hier.

Österreich gehört zu den am stärksten von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) betroffenen Ländern in Europa. Auch in Salzburg gibt es regelmäßig Krankheitsfälle, 2018 waren es 19. Besonders betroffen sind der nördliche Flachgau, aber auch Teile des Tennengaus und Pinzgaus.

17 Zeckenarten in Österreich

Weltweit gibt es über 800 verschiedene Zeckenarten, in Österreich sind 17 davon heimisch. Generell haben sich Zecken mit dem Klimawandel ausgebreitet. Lag die Höhengrenze früher bei 1.000 Metern, wurden nun schon Tiere auf mehr als 1.500 Metern gefunden.

  • Gemeiner Holzbock: Er ist in Europa am weitesten verbreitet, auch in Österreich kommt diese Art am häufigsten vor. Beim Stich schneidet er ein Loch in die Haut, in das er anschließend den Stechrüssel rammt.
  • Braune Hundezecke: Sie kommt ursprünglich aus Afrika und ist in Südeuropa weit verbreitet. Sie ist in Österreich nicht heimisch, wird aber importiert. Den Winter bei uns überlebt die Hundezecke, erwärmt sich das Klima könnte sie schon bald heimisch werden.
  • Igelzecke: Sie befällt nur selten Menschen, bevorzugt werden Füchse, Igel, Wiesel, Hunde und Katzen.
  • Taubenzecke: Sie ist in ganz Mitteleuropa zu finden und kann bis zu neun Jahre ohne Wirt leben. Sie steht unter Verdacht, das Q-Fieber übertragen zu können. Das geht von Tieren auf Menschen über und kann grippeähnliche Symptome hervorrufen.
Gemeiner Holzbock, Zecke, SB Pixabay/CC0
Der gemeine Holzbock ist in Österreich am weitesten verbreitet. (SYMBOLBILD)

Riesenzecke in Österreich entdeckt

Aber auch tropischere Exemplare können mittlerweile bei uns überwintern. Im letzten Jahr wurde etwa in Braunau (Bez. Braunau am Inn) die Riesenzecke Hyalomma marginatum entdeckt. Sie stammt eigentlich aus Trocken- und Halbtrockengebieten (Afrika, Asien, Südeuropa) und wird bis zu zwei Zentimeter groß. Sie ist zudem potenzieller Überträger des gefährlichen Krim-Kongo-Fieber-Virus. Eine Infektion mit diesem Virus ruft eine Erkrankung hervor, die häufig als hämorrhagisches Fieber verläuft und tödlich enden kann.

Drei Mythen über die Blutsauger

Über die blutsaugenden Spinnentiere gibt es nicht nur Fakten, sondern auch Mythen, die sich besonders hartnäckig halten. Ein paar Beispiele dafür:

Zecken fallen von Bäumen

Falsch. Zecken leben in Bodennähe und klettern selten höher als einen Meter. Sie lauern in Gräsern, Büschen und in der Krautschicht auf potenzielle Wirte.

Zecken lassen sich ersticken

Ein Irrglaube ist ebenso, dass man Zecken mit Butter, Klebstoff oder Öl ersticken und somit leichter entfernen könne. Die Tiere ersticken nur sehr langsam, in dieser Zeit können sie Krankheiten übertragen.

Zecken beißen zu

Zu lesen ist zwar oft von einem Zeckenbiss, allerdings stechen die Blutsauger. Stechrüssel und Mundwerkzeug sind zudem mit Widerhaken versehen, die sich in der Haut verankern.

Prognose für 2020

Ist der Winter mild, könne man davon ausgehen, dass die Zecken früher aktiv werden. „Das hängt aber stark von der Witterung ab und wie sich das Klima allgemein entwickelt“, erklärt Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz gegenüber SALZBURG24.

Hat es an mehreren Tage fünf bis sieben Grad, machen sich die Zecken auf die Suche nach Nahrung: Blut ist gefragt. Entscheidend ist aber auch ein weiterer Faktor. Die Zecken brauchen Feuchtigkeit, um sich zu entwickeln. Eine Prognose für das heurige Zeckenjahr auszugeben, sei also schwierig, heißt es von Seiten der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf S24-Anfrage. Noch sei es zu früh. Laut Zeckenexperte Georg Duscher sei es bisher auch noch zu kühl. Die Zecken wagen sich zwar aus ihren Verstecken, wirklich aktiv werden sie erst ab 15 bis 20 Grad. Häufig beginne die Zeckensaison aber bereits im Februar und dauere bis Oktober.

(Quelle: SALZBURG24)

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Subtropische Riesenzecke entdeckt

Die Zeckenart Hyalomma marginatum mag es eher trocken APA (VETMEDUNI VIENNA)

Eine neu eingewanderte subtropische Zeckenart hat erstmals in Österreich überwintert. Wie Georg Duscher vom Institut für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen (Vetmed) Universität Wien am Mittwoch im Gespräch mit der APA berichtete, ist ein Exemplar der Gattung Hyalomma marginatum im April in einem Privathaushalt im Bezirk Braunau in Inn entdeckt worden.

Im Dezember 2018 wurde im Raum Melk erstmals ein geschlechtsreifer Parasit der Riesenzecke – mit einer Körperlänge von fünf bis sechs Millimeter wird sie deutlich größer als die in Europa verbreitetste Zeckenart, der Gemeine Holzblock ( Ixodes ricinus) – in Österreich nachgewiesen. Der vorangegangene warme und trockene Sommer war dafür ausschlaggebend, erklärte Duscher. Diese Zeckenart bevorzuge eine geringere Luftfeuchtigkeit als die hierzulande üblicherweise vorkommenden Zecken: "Es darf nicht zu nass sein."

Riesenzecke überlebt langen Winter

An sich ist die Hyalomma marginatum in den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas heimisch. Sie kommt inzwischen aber – durchaus verbreitet – auch in Spanien und Kroatien vor. Hat sie sich einmal in noch weit nördlicheren Gebieten etabliert, kann sie dort auch strengere Winter wie den vergangenen überdauern. "Sie überwintert in Ritzen und Spalten in der Natur", verriet Duscher.

Zecke am Postweg verschollen

An der Wiener Vetmed hätte man den Fund aus Oberösterreich gern eingehend untersucht. Die Riesenzecke sei aber "verschollen", bedauerte Duscher: "Sie ist am Postweg verloren gegangen." Der Beleg, dass es sich tatsächlich um eine Hyalomma marginatum gehandelt hatte, sei aber "eindeutig", betonte der Experte unter Verweis auf vom Finder angefertigte Fotos.

Überträger des Krim-Kongo-Virus

Mehrere Exemplare der Hyalomma marginatum wurden zuletzt auch in Norddeutschland gefunden, wo sie ebenfalls den Winter überstanden hatten. Im eurasischen Raum gelten die zu den Milben zählenden Tiere als Überträger des auch für den Menschen gefährlichen Krim-Kongo-Virus. Das Auftreten der Spezies in Mitteleuropa sei aber "kein Grund zur Panik", beruhigte Duscher. Dass mit der Hyalomma-Zecke auch das Krim-Kongo-Fieber eingeschleppt werde, sei äußerst unwahrscheinlich, betonten Duscher und dessen Kollege Alexander Mathis, Parasitologe an der Universität Zürich, unisono.

Keine Zecken-Invasion befürchtet

"Die Zecken tragen den Erreger nicht automatisch in sich. Sie müssten zunächst in einem Juvenilstadium ein mit dem Krim-Kongo-Erreger infiziertes Tier stechen. Erst dann könnte das nächste Entwicklungsstadium der Zecke die Krankheit übertragen", erläuterte Mathis. Dass sich die subtropische Riesenzecke in unseren Gefilden explosionsartig vermehrt, ist übrigens ausgeschlossen. Bei dieser Zeckenart gibt es nur einen Vermehrungszyklus pro Jahr.

Aufgerufen am 29.03.2020 um 08:58 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/zecken-in-oesterreich-ganzjaehrig-aktiv-83582947

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