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Sonntags-Talk

Heimo Pfeifenberger: "Salzburger werden zu Idolen"

Fußball-Ikone über Champions League und die Macht des Sports

Der einstige Publikumsliebling und Jahrhundertfußballer Heimo Pfeifenberger verfolgt die Entwicklung vom FC Red Bull Salzburg ganz genau und spricht mit uns im Sonntags-Talk über heimische Idole, die Champions League und die Macht des Sports.

Heimo Pfeifenberger, Stürmer der legendären Austria-Salzburg-Erfolgself von 1994 und zuletzt Coach des Wolfsberger AC, kennt den Fußball in Österreich bestens. Der gebürtige Zederhauser (Lungau), wohnhaft in Grödig (Flachgau) prägte in den letzten 30 Jahren den heimischen Fußball wie selten jemand davor. Ob als Starstürmer in Österreichs Nationalteam, Rapid Wien oder als Deutschland-Legionär bei Werder Bremen – der 52-Jährige hinterließ überall seine Fußstapfen.

SALZBURG24: Heimo, was traust du Neo-Coach Jesse Marsch und Red Bull Salzburg in der Champions League zu?

HEIMO PFEIFENBERGER: Vielleicht schaffen sie es, die Gruppenphase zu überstehen. Kommt darauf an, wie die Auslosung abläuft. Es muss alles zusammenpassen und wenn der Funke von den Fans überspringt, ist vieles möglich. Über Jesse Marsch habe ich viel Positives gehört. Er soll ein richtig cooler Typ sein – auf jeden Fall anders als Marco Rose, aber ich denke, dass er gut zu Salzburg passt.

Wie hast du den Erfolgslauf der Bullen mit Serientitel in der Bundesliga und sensationellen Europa-League-Auftritten verfolgt?

Die Entwicklung des Vereins ist beeindruckend. Sie haben im letzten Jahrzehnt sehr viel investiert und werden nun für die harte Arbeit belohnt.

Du, Otto Konrad, Wolfgang Feiersinger und Martin Amerhauser etc. wart damals Idole. Ist so etwas in der heutigen Zeit noch möglich?

Natürlich gibt es außerhalb Salzburgs andere große Kaliber. Wenn man sich allerdings den Stefan Lainer, Konrad Laimer und Stefan Ilsanker anschaut, bin ich fest davon überzeugt, dass Salzburger-Kicker erneut zu Idolen avancieren können. Mich beeindruckt, dass sie harte Arbeiter sind und ihnen nicht nur das Talent zum Fußball-Profi verholfen hat.

Wichtig dabei wird sein, dass sie sich selbst treu bleiben. Gewisse Leute, nicht die soeben genannten, versuchen sich zu verändern, wollen jemand anders sein, dabei ist unsere österreichische Mentalität sehr cool. Wir sollten dazu stehen und authentisch sein.

Ähnlich wie Marco Rose?

Ganz genau. Er hat neben seiner Professionalität viel Humor und eine gewisse Lockerheit bewiesen. Damit war er den Fans ganz nah, das löst etwas aus. Er ist ein wenig österreichisch angehaucht (lacht).

Am 5. Juni 1994 vor fast genau 25 Jahren sicherte sich erstmals ein Salzburger Team den Meistertitel in der Bundesliga. Nun steht Red Bull nach elf Anläufen vor dem Premierenjahr in der Champions League. Kann eine solche Euphorie wie damals erneut ausbrechen?

Was vor 25 Jahren los war, kann man kaum in Worte fassen. Die Fans behandelten uns wie Popstars, wir mussten bis zu 2.000 Autogramme schreiben. Red Bull Salzburg ist auf einem ähnlichen Weg. Aber bevor ein Fan-Trubel mit Flughafen-Empfang erneut ausbricht, muss zuerst etwas ganz Großes erreicht werden. Ich traue es dem Klub zu – sie haben es sich selber erarbeitet und sind trotz des Geldes immer bodenständig geblieben.

Ist eine Aufbruchsstimmung spürbar und befinden sich die Bullen auf dem richtigen Weg?

Wenn ich durch die Gaue fahre, fällt mir immer öfters auf, dass die Jungs Salzburg-Trikots tragen. Bei den Spielen in der Europa League herrschte eine super Stimmung. Es war vergleichbar mit unserer Zeit, die Fans waren wirklich geil. Aber der Verein sowie ganz Fußball-Österreich ist noch nicht am Zenit. Ich würde es den Spielern wünschen, dass auch die Bundesliga-Spiele ausverkauft werden.

Nun müssen aber auch die kleinen Vereine dranbleiben und diese Euphoriewelle ausnützen. Nicht, dass wir es wie 2004/2005 verschlafen und Länder wie Schweiz etc. erneut an uns vorbeiziehen. Da waren sie uns in Sachen Nachwuchsarbeit fünf Jahre voraus.

Heimo Pfeifenberger APA
Der gebürtige Lungauer Heimo Pfeifenberger sagt dem Fußball in Salzburg und Österreich eine rosige Zukunft voraus.

Inwieweit profitieren andere Bereiche außer dem Sport von den Erfolgen der Salzburger?

Bereiche wie die Wirtschaft und das Image des gesamten Landes profitieren da auf jeden Fall davon. Ganz Europa wird auf Salzburg und Österreich schauen. Das ist Werbung ohne Ende und unbezahlbar. Generell genießt der Sport wieder einen höheren Stellenwert – er ist unser Kapital für die Zukunft und hat eine enorme Macht etwas zu bewegen. Dabei nehme ich auch die Politik in die Pflicht: Der Sport in Salzburg gehört noch mehr gefördert.

 

Wie geht es nun bei dir persönlich weiter? Einen Trainer-Job schließt du ja kategorisch aus.

Richtig, damit habe ich abgeschlossen und es ist kein Thema mehr für mich. Derzeit ersetze ich bei der U20-Nationalmannschaft Mario Huemerlehner interministisch als "Co". Danach lasse ich es aber wieder.

Mich reizt der Job als Sportdirektor. Bei Wiener Neustadt hat es sich leider zerschlagen, aber mal sehen was die Zukunft noch so bringt. Ich finde den Fußball in Österreich richtig spannend.

Ich danke dir für das Gespräch und wünsche dir alles Gute für die Zukunft.

Auch ich sage danke und wünsche dir ebenso alles Gute.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge via Mail.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 21.11.2019 um 04:36 auf https://www.salzburg24.at/sport/fussball/bundesliga/heimo-pfeifenberger-salzburger-fussballer-werden-zu-idolen-71401543

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