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Skepsis bei Finanzierung

Salzburg sieht 1-2-3-Ticket "wohlwollend"

Bundesweite Netzkarte im Bundesland begrüßt

Die Finanzierung dürfte eine große Herausforderung werden

Das 1-2-3-Ticket soll mehr Menschen zum Umsteigen auf die Öffis motiviere. (SYMBOLBILD)

Um einen Euro pro Tag in einem Bundesland, um zwei Euro in zwei und um drei Euro täglich durch ganz Österreich - das geplante 1-2-3-Ticket gehört zu den ambitioniertesten Projekten der Regierung. Und es findet Anklang in den Ländern.

Eine Projektgruppe für die Umsetzung der österreichweiten Variante wurde bereits aufgestellt, im ersten Halbjahr soll es ein gemeinsames Kick-off-Treffen mit allen Betroffenen geben, kündigte Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) bereits Ende Jänner an.

7 Verkehrsverbünde und 9 Länder unter einen Hut

Einfach ist die Umsetzung nicht, müssen schließlich sieben Verkehrsverbünde und neun Bundesländer mitmachen. Eine große Hürde ist die Finanzierung des Projekts, auch sind Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. Prinzipiell stehen aber beinahe alle Beteiligten der österreichweiten Jahresnetzkarte für den öffentlichen Verkehr positiv gegenüber.

Frommer: "Stehen Projekt wohlwollend gegenüber"

Beim Salzburger Verkehrsverbund begrüßt man den Vorstoß zu einer bundesweiten Netzkarte. "Wir stehen dem Projekt sehr wohlwollend gegenüber", sagte Geschäftsführerin Allegra Frommer zur APA. Salzburg habe erst im Dezember Regionaltickets nach ähnlichem Prinzip eingeführt. "Wir freuen uns, wenn wir hier unser Know-how einbringen können." Für den Erfolg eines österreichweiten 1-2-3-Tickets müssten die Details aber klar und durchdacht sein, etwa im Landesgrenzen überschreitenden Verkehr.

1-2-3-Ticket: Salzburg fordert klare Finanzierung

Klarheit brauche es auch bei der Finanzierung: "Es geht um eine saubere Kostenschätzung mit nachvollziehbarem Finanzierungsplan und einem deutlichen finanziellen Bekenntnis des Bundes." Und auch wenn günstige Tickets ein wichtiger Hebel für einen attraktiveren öffentlichen Verkehr seien: "Ebenso wichtig ist es, dass die Fahrzeugkapazitäten aufgestockt werden und der Fahrplan bei Bus und Bahn österreichweit verdichtet wird", sagte Frommer.

Schnöll: "Riesenaufholbedarf"

Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) sicherte Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der Umsetzung der Netzkarte "vollste Unterstützung" zu. "Es wird Schwierigkeiten geben, aber wir haben vor allem über Bundeslandgrenzen hinaus einen Riesenaufholbedarf", sagte er zur APA. Eine unmittelbare finanzielle Belastung für das Land erwartet sich Schnöll nicht. "Im Regierungsprogramm ist von Bundesmitteln die Rede."

VOR freut sich über "allgemeinen Konsens"

Beim Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), in dem Wien, Niederösterreich und das Burgenland zusammengefasst sind, freut man sich "sehr über den allgemeinen Konsens, dass der öffentlichen Verkehr aus ernstzunehmenden Klimadebatten nicht mehr wegzudenken ist", wie es in einer Stellungnahme gegenüber der APA hieß. Allerdings sieht der VOR noch einigen Gesprächsbedarf: "Nicht nur in Bezug auf die Finanzierung des 1-2-3-Tickets selbst warten wir auf die Details vom Bund. Es müssen auch dringend Gespräche hinsichtlich Ausbau des Angebotes und Ausbau der vorhandenen Infrastruktur in den Städten, dem Stadtumland und der Region geführt werden."

Denn schon jetzt seien zur Hauptverkehrszeit viele Züge ausgelastet. Zudem müsse beim Bus- und Bahnausbau auch die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und qualifiziertem Personal berücksichtigt werden.

Vehementer Befürworter in Vorarlberg

Als vehementer Befürworter des 1-2-3-Tickets will Vorarlbergs Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne) das Projekt der neuen Bundesregierung mit Nachdruck unterstützen. In Vorarlberg habe man sechs Jahre Erfahrung mit dem 365 Euro-Ticket gesammelt, gezeigt habe sich "ein Anstieg von 50.000 auf 75.000 Jahreskarten, ein Zehn-Prozent-Plus bei den Passagierzahlen pro Jahr, eine enorme Akzeptanz, und wirtschaftlich rechnet sich das Ganze auch", betonte Rauch gegenüber der APA.

Auch der Verkehrsverbund Tirol (VVT) steht dem 1-2-3-Ticket grundsätzlich "sehr positiv gegenüber", hieß es auf APA-Nachfrage. In der praktischen Umsetzung gebe es allerdings noch einige Punkte und Herausforderungen, die es zu klären gelte.

Steiermark will Angebot ausbauen

Jede Maßnahme, die zu einer weiteren Attraktivierung des ÖV beitrage, sei zu begrüßen, hieß es seitens der Verkehrsverbund Steiermark GmbH. Sichergestellt werden müsse jedenfalls - wie bei jeder Ermäßigung - die Kompensation der Einnahmenausfälle. Günstige Tarife seien nicht alles, in der Steiermark gebe es beim Ausbau von Angebot und Qualität Nachholbedarf.

Kosten kein Thema für Kärnten

Für "grundsätzlich begrüßenswert" hält Kärntens Landesrat für öffentlichen Verkehr, Sebastian Schuschnig (ÖVP), den Vorschlag für das 1-2-3-Ticket. Nun müsse die Bundesministerin einen Vorschlag vorlegen, der auch Organisation, Finanzierung und Vertrieb beinhalte. Für Kärnten werden die Kosten das größte Thema sein, glaubte Schuschnig. Wenn man die Ausgaben der Länder für den Bereich vergleiche, sei Kärnten nicht einmal im Mittelfeld. Ausbauen müsse man hier zuerst das Angebot.

Oberösterreich fürchtet wenig Geld für Ausbau

Oberösterreichs Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) fürchtet, dass mit Einführung des 1-2-3-Tickets nicht mehr ausreichend finanzielle Mittel für den Ausbau der Öffis zur Verfügung stehen. Die Pläne der Bundesregierung dürften in "keinem Widerspruch zu den dringend notwendigen Ausbaumaßnahmen in OÖ stehen", sagte er und vertrat damit die selbe Meinung wie der OÖ Verkehrsverbund.

Der burgenländische Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) sieht im 1-2-3-Ticket eine "sinnvolle Maßnahme, um den Umstieg auf Öffis voranzutreiben". Es müsse aber klar sein, dass die Länder die finanziellen Mehraufwendungen nicht alleine tragen können und der Bund einen "wesentlichen finanziellen Beitrag" leisten müsse, betonte Dorner auf APA-Anfrage.

NÖ: Bund muss versprochene Leistungen bezahlen

Mit Abstrichen positiv steht Niederösterreichs Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) dem "1-2-3-Ticket" gegenüber. "Seitens des Landes Niederösterreichs sagen wir ja zur Mobilitätswende und sind offen für alle Vorschläge", betonte er auf APA-Anfrage. Es müsse aber klar sein, dass vom Bund versprochene Leistungen auch vom Bund bezahlt werden.

(Quelle: APA)

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