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Wo es Nachholbedarf gibt

Reichen die Anti-Teuerungs-Maßnahmen aus?

Steigende Preise für Lebensmittel, Wohnen und Co

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Bei Nahrungsmitteln stiegen die Preise zuletzt um 8,8 Prozent an. (SYMBOLBILD)

Die rasanten Teuerungen für Lebensmittel, Wohnen und Co betreffen uns fast alle – von Jung bis Alt. Zwar hat die Bundesregierung Maßnahmen gegen die steigende Preisspirale vorgestellt, aber reicht das wirklich aus? Wir haben bei Sozial-NGOs nachgefragt.

Wie wichtig Geld in unserem Alltag ist, macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn keines mehr zur Verfügung steht. Diese Binsenweisheit dürfte für Tausende Menschen in Salzburg zur bitteren Realität geworden sein. "Schon vor der Corona-Pandemie war die Situation mit hohen Preisen fürs Wohnen und Leben für viele Menschen schwierig", sagt Carmen Bayer von der Salzburger Armutskonferenz zu SALZBURG24.

"Probleme waren vorher schon da"

Von insgesamt rund 555.000 im Bundesland Salzburg lebenden Menschen gelten 13 Prozent als armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Hinzu kommen etwa 23.000 Kinder. Die Armutsgefährdungsschwelle (60 Prozent des Median-Einkommens) beträgt 1.371 Euro monatlich für einen Single-Haushalt. Für zwei Erwachsene und zwei Kinder liegt die Grenze bei 2.880 Euro.

Für die unteren 30 Prozent der österreichischen Haushalte genügte dem Wirtschaftsforschungsinstitut zufolge das Einkommen schon bislang nicht, um die Ausgaben für den Konsum zu decken. (Weitere) Verschuldung ist die Folge. "Die Probleme waren vorher schon da und sie werden aktuell noch weiter verschärft", betont Bayer von der Armutskonferenz.

Monatlicher Einkaufswagen wird teurer

Während eine vierköpfige Familie bis vor kurzem im Durchschnitt monatlich 600 Euro für Lebensmittel ausgeben musste, gehen laut Salzburger Arbeiterkammer (AK) mittlerweile mehr als 660 Euro dafür drauf. Das würden Mehrkosten von 720 Euro jährlich bedeuten. In Kombination mit der noch viel größeren Teuerung bei Energie, Treibstoffen, Mieten und Co werde das Leben für immer mehr Menschen kaum mehr bezahlbar, befürchtet die AK.

Mehrwertsteuer auf Lebensmittel

Um gegenzusteuern, fordert AK-Präsident Peter Eder eine befristete Streichung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Für die Armutskonferenz ist "zudem die Erhöhung von treffsicheren Transferleistungen notwendig, wie das Anheben der Sozialleistungen über das Niveau der Armutsschwelle", ergänzt Bayer. "Das wäre viel nachhaltiger als die Einmalzahlungen, die natürlich zu begrüßen sind."

Anti-Teuerungs-Maßnahmen: Einmalzahlungen Momentum Institut
Einmalzahlungen helfen in der aktuellen Situation vor allem Haushalte mit niedrigem Einkommen.

Die weiteren Folgen der Teuerungen seien jedoch noch gar nicht absehbar – nur eines sei klar, befürchtet die Sprecherin der Salzburger Armutskonferenz: "Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer."

Wohnkosten belasten Salzburger:innen

Neben steigenden Kosten für Energie, Verkehr, Lebensmittel und Co belasten auch die Kosten fürs Wohnen viele Salzburger:innen – vor allem in der Landeshauptstadt. Denn die Wohnkosten in der Mozartstadt machen laut einer Studie des Salzburger Instituts für Raumordnung durchschnittlich 44 Prozent des monatlichen Haushaltseinkommens aus. Demnach haben vor allem junge Wohnungssuchende große Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden, zumal 90 Prozent der Angebote in den teuersten Wohnkategorien aufscheinen. "Privat vermietete Wohnungen – und das ist der Großteil in Salzburg – sorgen für einen weiteren Anstieg der Mieten", befürchtet Bayer.

Unlängst forderte die AK die Einführung von Mietobergrenzen, um "in den überhitzten Markt einzugreifen." Zuletzt brachte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) Entlastungen ins Spiel: Diese sollen aber nicht über einen Mietpreisdeckel, sondern über Wohnbeihilfen kommen. Dieser Vorstoß wurde allerdings vorerst vom Kanzleramt abgelehnt: Man wolle zuerst die bisher beschlossenen Maßnahmen greifen lassen.

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Wie schaut’s eigentlich mit Eigentum aus? Der Quadratmeterpreis für neugebaute Eigentumswohnungen liegt bei rund 8.000 Euro und im Bestand kostet der Quadratmeter um 5.500 Euro. Und der Wunsch nach eigenem Besitz ist groß bzw. steht bei vielen jungen Menschen an erster Stelle, weiß Barbara Syrowatka von der Salzburger Jugendinfo-Erstanlaufstelle akzente.

"Die meisten jungen Leute wollen richtig Geld verdienen, allerdings wissen die wenigsten, welchen Bildungsweg es dafür braucht", sagt Syrowatka gegenüber S24. Auch würden Vorstellungen und Realität oftmals sehr weit auseinanderklaffen. "Die wenigsten Schüler:innen wissen überhaupt nicht, wie viel Geld für Miete, einen Autokauf oder für Lebenserhaltungskosten monatlich aufgebracht werden muss." Hier gebe es deutlichen Nachholbedarf.

Wunsch nach eigenem Schulfach

Wie die derzeitigen Teuerungen konkret die Jugendlichen in Salzburg treffen, könne aber nicht exakt benannt werden. Syrowatka: "Es obliegt immer an der finanziellen Situation der Eltern und wie diese im Rahmen ihres Erziehungsauftrags mit Geld umgehen." Nicht nur die Heranwachsenden, sondern auch die Mitarbeitenden bei akzente, wünschen sich das Schulfach Lebens- bzw. Finanzkompetenz, um die Jüngsten der Gesellschaft besser auf das finanzielle Leben vorzubereiten. Entsprechende Ideen und Pläne würden bereits im Bildungsministerium diskutiert, heißt es.

Maßnahmen gegen Teuerungen

Doch was wird nun konkret gegen die Teuerung getan? Laut Momentum Institut kostet die Teuerung heuer die unteren 20 Prozent der Haushalte durchschnittlich 814 Euro im Jahr. Die staatlichen Maßnahmen sollen demnach einen Ausgleich in Höhe von 820 Euro bringen. Außerdem sollen die Sozialleistungen künftig jährlich um die Inflationsrate erhöht werden.

Anti-Teuerungs-Maßnahmen: Entlastungspaket Momentum Institut
Das Entlastungspaket der Bundesregierung im Detail.

Zwar werden die von der Bundesregierung vorgestellten Maßnahmen grundsätzlich von Sozial-NGOs positiv bewertet, dennoch gebe es Verbesserungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit. Die Erhöhung des Klimabonus auf 500 sei zu begrüßen, allerdings gibt es Kritik am "Gießkannenprinzip", also das alle Menschen gleich davon profitieren. "Auch bei der Abschaffung der kalten Progression profitieren vor allem Besserverdienende", moniert Bayer. "Mit dem Arbeitslosengeld hat man sich im Zuge der Anti-Teuerungs-Maßnahmen zudem gar nicht beschäftigt."

Zudem wird – wie bereits beschrieben – die Anhebung der Sozialleistungen gefordert: Mindestsicherung, Mindestsicherung und in vielen Fällen auch das Arbeitslosengeld liegen deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle und sind damit nicht armutsfest.

Auch die Valorisierung der Familienbeihilfe sei jedenfalls positiv zu bewerten, wobei diese erst 2023 greifen soll. Ebenfalls positiv sei die Erhöhung des Kindermehrbetrags sowie die Verlängerung des Wohnschirms, um Mieter:innen vor Delogierungen zu schützen. Im Anti-Teuerungs-Paket fehlen allerdings preisdämpfende Maßnahmen. Wie das Momentum Institut mitteilte, hätte man etwa einen Energiepreisdeckel auf einen Grundbedarf an Strom und Gas einführen können, um die Energiepreise zu senken.

Geld APA/Helmut Fohringer
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(Quelle: SALZBURG24)

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