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FILM FEIERT KINO-PREMIERE

Schüler:innen-Doku zeigt Folgen sexueller Belästigung auf

Diplomprojekt in Salzburg schlägt ungeahnte Wellen

Ungeahnte Wellen hat das Diplomprojekt von vier Salzburger Schüler:innen geschlagen. Ihr Dokumentarfilm "Lilium", der über sexuelle Übergriffe und deren psychische Folgen aufklären soll, landete nicht nur auf der Kinoleinwand, sondern dürfte auch den Lehrplan an der HTL Salzburg in Zukunft beeinflussen.

Salzburg

Das eigene Werk auf der Kinoleinwand sehen – davon können viele Filmschaffende ihr Leben lang nur träumen. Den Salzburger HTL-Schüler:innen hinter dem Dokumentarfilm „Lilium“ ist dieser Sprung schon gelungen. Vor einem beinahe ausverkauften Saal präsentierten sie am Freitag im Das Kino ihr Diplomprojekt und klärten das Publikum darin über sexuelle Übergriffe und deren psychische Folgen auf. Auch SALZBURG24 war vor Ort und hat mit den vier Medientalenten über ihre Dokumentation gesprochen.

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Salzburgs Jugend ist nur teilweise mit dem Leben zufrieden (SYMBOLBILD).

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Schüler:innen drehen Doku über sexuelle Belästigung

Das ernste Thema ihres Films haben die Maturierenden vor allem wegen persönlicher Betroffenheit gewählt, erklären sie im Gespräch mit SALZBURG24. „Wenn Jugendliche fortgehen, ist Belästigung einfach immer ein Thema“, meint Regisseur Noah Hatz. Im Fokus stünden aber häufig eher extreme Fälle wie etwa Vergewaltigungen. Deshalb habe man den Blick vor allem auf jene Übergriffe richten wollen, die alltäglich passieren und teils heruntergespielt oder totgeschwiegen würden. „Es kommt so oft vor, dass es irgendwann nicht mehr der Rede wert scheint“, stellt Grafikdesignerin Nina Maringer fest. „Dabei muss gerade darüber mehr gesprochen werden“, findet die 20-Jährige.

 

Sechs Frauen erzählen ihre Geschichte

Es sei „schockierend einfach“ gewesen, Menschen – genauer gesagt: Frauen – zu finden, die bereits Belästigung erleben mussten, beschreiben die vier ihre Recherche. Kein Wunder, immerhin betrifft dieses Thema drei von vier Frauen im Laufe ihres Lebens, wie Studien zeigen. Beim Salzburger Jugendreport 2020 hat jede zweite Salzburgerin zwischen 18 und 20 Jahren angegeben, schon einmal beim Fortgehen sexuell belästigt worden zu sein. Unzählige Mitschülerinnen, Freundinnen, Schwestern und Bekannte seien auf das Viererteam zugekommen und hätten ihre Erfahrungen geschildert. Vor die Kamera treten wollten die meisten Betroffenen allerdings nicht. Nur sechs Mädchen und Frauen, darunter auch Mitschülerinnen des Projektteams, haben sich am Ende dazu bereit erklärt, ihre Geschichten öffentlich zu machen.

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(SYMBOLBILD)

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Übergriffe belasten Psyche

Sie berichten von Übergriffen im Club, bei der Massage oder durch ihnen nahestehende Personen. Es geht um ungewollte Berührungen, anzügliche Kommentare und Drängen zu sexuellen Handlungen. Gemeinsam haben ihre Erzählungen vor allem eins: Das Gefühl der Überwältigung. „Mein Körper hat mich einfach verlassen“, beschreibt eine 19-jährige Schülerin. Eine häufige Reaktion in einer solchen Ausnahmesituation, wie Psychologin Andrea Hammerer, die in „Lilium“ ebenfalls zu Wort kommt, erklärt. Die Folgen von sexuellen Übergriffen können vielfältig sein und die Betroffenen auch Jahre später noch belasten. Die Frage, ob sie den Vorfall selbst irgendwie hätten verhindern können, beschäftige viele Opfer. „Der Täter hinterlässt dem Opfer das Gefühl der Mitschuld“, stellt Hammerer fest.

Folgen, mit denen Frauen zu kämpfen haben:

  • Schlafstörungen
  • Flashbacks
  • Angst vor Männern
  • Probleme mit Nähe und Sexualität

Künftig mehr Aufklärung an HTL Salzburg

Nicht nur das Publikum, sondern auch die betreuenden Lehrkräfte zeigten sich vom Abschlussprojekt der Jugendlichen beeindruckt und betroffen gleichermaßen. Sexismus sei zwar durch den Medien-Schwerpunkt immer wieder Teil des Lehrplans, man sei aber „als Kollegium schockiert über die Realität, in der unsere Schülerinnen leben“, so Pädagoge Simon Zehentner am Freitag. Im Unterricht soll dem Thema künftig mehr Raum gegeben werden. Die Dokumentation soll auch den folgenden Jahrgängen gezeigt werden.

Projekt „Lilium“ läuft weiter

Auch für die jungen Filmschaffenden ist nach der Premiere noch nicht Schluss. Geplant ist, den Film in den kommenden Monaten online zu veröffentlichen. Mit ihrer Social Media-Kampagne auf Instagram und Facebook wollen sie in der Zwischenzeit weiter über sexuelle Übergriffe und deren Folgen aufklären und Betroffenen die Möglichkeit bieten, ihre Geschichte anonym mit anderen zu teilen. Schon seit Wochen würden sich immer mehr Menschen melden und ihre Erfahrungen teilen. „Wir wollten etwas machen, das über ein Schulprojekt hinausgeht“, meint Hatz. „Und ich glaube, das ist uns gelungen.“

 

Hier finden Opfer sexueller Übergriffe Hilfe:

  • Frauenberatung Salzburg, Strubergasse 26, 5020 Salzburg, 0662 875498
  • Opferhilfe Weißer Ring, Giselakai 43, 5020 Salzburg, 0699 13434005
  • Frauennotruf Salzburg, Wolf-Dietrich-Straße 14, 5020 Salzburg, 0662 881100
  • Helpline Sexuelle Belästigung, 0664 88386932
(Quelle: SALZBURG24)

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