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Geldsorgen wegen Covid-19

Krise verschärft Geldprobleme massiv

Berater in Salzburg: "Im Herbst wird es akut"

Die Corona-Krise bringt Menschen mit Geldproblemen in besondere Bedrängnis. Besonders gefährdet seien nun jene, die bereits vor der Krise Schulden hatten und Ein-Personen-Unternehmen, erklärt Peter Niederreiter, Geschäftsführer der Salzburger Schuldenberatung.

Die Schuldenberatungen befürchten, dass sich bei vielen Menschen, die schon vor der Krise Probleme hatten, auch geringere Einkommensverluste negativ auswirken. Hauptgründe, sich an die Schuldenberatung zu wenden, sind zu mehr als der Hälfte Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverlust und gescheiterte Selbstständigkeit.

Verzögerter Ansturm auf Schuldenberatung

Niederreiter rechnet mit einem verzögerten Anstieg der Anfragen. Noch wisse man nicht genau, wie groß der Einfluss der Krise auf die finanzielle Situation der Menschen sei. „Es wird im Herbst mit ziemlicher Sicherheit akut werden. Jetzt stehen die Menschen noch unter Schock, wie es beruflich weitergehen wird. Wenn das geklärt ist, werden sie sich bei uns melden“, sagt Niederreiter im Gespräch mit SALZBURG24. Die Schätzungen für den Anstieg der Beratungen liegen bei ca. 40 Prozent.

Besonders treffen wird es zwei Gruppen, erläutert Niederreiter. Zum einen jene, die schon vor der Krise „knapp dran waren“ und Schulden hatten. Zum anderen die Ein-Personen-Unternehmen, die aufhören müssen. „Hier wird in vielen Fällen nur Konkurs möglich sein.“

Corona-Krise: Regierung ermöglicht Stundungen

Die Regierung hat Maßnahmen gesetzt: Delogierungen wurden ausgesetzt, Zahlungsraten bei Privatkonkursen gestundet, ebenso Kreditraten. Das seien aber nur Akut-Überbrückungen, sagt Niederreiter. Stundungen würden das Problem lediglich verschieben: „Dann habe ich vielleicht die doppelte Miete zu bezahlen: Die gestundete und die aktuelle. Wenn sich meine Situation bis dahin nicht verbessert hat, wird es gefährlich.“

Erlass statt Stundungen in Härtefällen

Er fordert deshalb, dass die Kreditraten generell ausfallen. Bei der Grundversorgung – Miete, Heizung, Wärme, Wasser – sei es noch drastischer. Hier sollte man mindestens ein Jahr zur Rückzahlung Zeit haben. Wenn es dann immer noch nicht möglich ist, die Raten zu zahlen, sollen sie gänzlich erlassen werden. Der Dachverband asb fordert zudem, Lohnpfändungen und Kündigungen von Kontenrahmen gänzlich auszusetzen.

Schuldenberatung braucht Personal

Zudem solle die Beratungs-Infrastruktur verbessert werden. Die Schuldnerberatung bräuchte zusätzliche Mittel und Personal. „Wir waren vor der Corona-Krise schon am Anschlag.“ Wenn es kein Sonderbudget aus dem Corona-Hilfspaket gebe, mit dem die Schuldnerberatungen mit Personal ausgestattet werden, werde es zu extrem langen Wartezeiten kommen, warnt der Dachverband.

Mehr als 3.500 Beratungen in Salzburg

Im letzten Jahr hat die Schuldenberatung in Salzburg 3.538 Beratungsgespräche geführt. Dabei wurden etwa 2.000 Klienten betreut, die im Schnitt um die 43 Jahre alt waren. Die Mehrheit ist männlich: 62 Prozent Männer stehen 38 Prozent Frauen gegenüber. Die Privatinsolvenzen stiegen im letzten Jahr um sechs Prozent an, während sie im Rest Österreichs – bis auf Wien – zurückgingen. Die Verschuldung liegt durchschnittlich bei 102.300 Euro, wie aus der Jahresstatistik der Schuldenberatung hervorgeht.

Gründe für Überschuldung

Gründe für die Überschuldung sind neben Arbeitslosigkeit und Einkommensverschlechterung (30 Prozent) sowie der gescheiterten Selbstständigkeit (22 Prozent) unter anderem auch der Umgang mit Geld (20 Prozent), Scheidung/Trennung (14 Prozent), persönliche Härtefälle (elf Prozent) und Wohnraumbeschaffung (neun Prozent).

Wer derzeit vor finanziellen Nöten und Sorgen steht, sollte sich jedenfalls so bald als möglich an die Schuldenberatung wenden. Die Beratungsstellen seien offen, telefonische Gespräche möglich, betont Niederreiter. Das wichtigste sei, nicht unterzutauchen, die Gläubiger zu informieren und aktiv zu bleiben.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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